Nik Silver Efex 2 vs. Lightroom 4

Die komplette Nik Collection wird derzeit von Google für $149,- verschleudert - aber lohnt sich die Software auch? Ein Praxis-Test. Cloud_Teaser Die Nachbearbeitung der digitalen Bilddaten am Computer gehört wie damals die Filmentwicklung zum kreativen Prozess des Fotografierens einfach dazu. Heute im Fokus: Schwarzweiss.
 

Digitale Dunkelkammer für Schwarz-/Weiss

Die Nik Software Collection, wie diese nun für $149 von Google angeboten wird, umfasst weitaus mehr als nur Nik Silver Efex Pro 2, das speziell für die Erzeugung von monochromen Bildern entwickelt wurde. Im Paket sind außerdem noch Nik Color Efex Pro, ein Werkzeug für das Schärfen, ein weiteres für die Rauschminderung, HDR Efex Pro für das Tonemapping und Viveza für die selektive Anpassung von Tonwerten enthalten. Was allerdings macht man, wenn man ein trostlos langweiliges Bild hat? Na klar, man konvertiert es in Schwarz-/Weiss und erhält ein prima Kunstwerk - aber Scherz beiseite, natürlich kann man s/w auch sehr bewusst einsetzen, eine edle Wirkung, die man damit erzielen möchte, eingeschlossen.

Max. 2 Minuten (alles andere ist Photoshop)

Die Frage ist nur: lohnt sich das Addon von Nik, wenn man schon Lightroom 4 im Einsatz hat? Um dies zu klären, hier ein Test aus der Praxis. Die Challenge für beide Tools sollte auch sein, möglichst schnell zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Daher wurde der Bearbeitung max. 2 Minuten Zeit gegeben, dann musste ein einigermaßen ansehnliches Ergebnis stehen. Schließlich gibt es nichts, was man nicht auch in Photoshop oder Gimp erledigen könnte - mit Ebenen, Einstellungen und jeder Menge Erfahrung. Um es möglichst fair zu halten, habe ich mich vor dem Test schon ein wenig in Nik eingeübt, dann jedoch alle hier vorgestellten Bilder zum 1. Mal mit den Tools im 2-Minuten-Limit bearbeitet.

Viele Gemeinsamkeiten

Ein Bild zu entsättigen ist das eine, noch etwas aus dem Rohmaterial herauszukitzeln, das andere. Ich teste hier Nik Silver Efex als Addon für Lightroom 4. Es installiert sich rasch, und danach hat man in Lightroom die Möglichkeit, Bilder direkt mit Nik zu bearbeiten. Dazu wird eine Kopie im TIFF Format angelegt, die als Stapelkopie im Lightroom Katalog erscheint. Wenn man dann das kopierte TIFF im Nik Editor sieht, fehlt zunächst der "Wow!"-Effekt. Die schlichten Regler erinnern an die, die man bereits aus Lightroom kennt. Auf der linken Seite gibt es eine Reihe von Presets, die "Lowkey" oder "Künstlerischer Prozess" heissen. Mit einem Klick darauf kann man sofort sehen, wie sich diese Einstellungen auf das Bild auswirken. Für viele mag das schon ausreichend sein, bei dem folgenden Projekt kam jedoch mit keinem der Presets die Wirkung heraus, die ich erzielen wollte. Bild 1 wurde nur mit Lightroom 4, Bild 2 nur mit Nik Silver Efex Pro 2, Bild 3 mit Lightroom und Nik Silver Efex Pro 2 bearbeitet. Bei Bild 1 Bild bin ich "klassisch" mit Lightroom 4 vorgegangen, habe Schatten wiederhergestellt, Klarheit hinzugefügt und mit den verschiedenen Farbfiltern die s/w Konvertierung beeinflusst. Dazu nachschärfen, fertig war das Ergebnis. Bei Bild 2 habe ich lediglich in LR4 die Objektivkorrekturen angewandt und habe den selben Beschnitt wie von Bild 1 übernommen. Dann habe ich versucht, mit den Nik Reglern Schatten wiederherzustellen, musste jedoch relativ schnell feststellen, dass dies zwar möglich, aber bei weitem nicht so qualitativ gut funktioniert wie mit LR4 - klar, in Nik arbeiten wir ja auch bereits nicht mehr auf den RAW Dateien, sondern in einem exportiertem TIFF. Nach zwei Minuten hatte ich dann ein Ergebnis, welches mich in Dynamik nicht überzeugte. Bei Bild 3 habe ich einige Grundeinstellungen in LR4 durchgeführt, insbesondere die Schatten wieder mit Zeichnung versehen, um dann Nik eine weitere Chance zu geben. Auch hier wurde wieder mit einem Preset in Nik begonnen, welches in der Vorschau die vielversprechendste Ahnung von dem künftigen Ergebnis vermittelte. In dieser Bearbeitung sieht man sehr gut, wie Nik den Mikrokontrast und die Feinstruktur herausarbeiten kann. Das erkennt man besonders an den Wellen im Wasser. Ich wüsste nicht, wie man denselben Effekt in LR4 nachempfinden kann.

Feine Unterschiede

Die Unterschiede treten dann auch erst auf den zweiten Blick wirklich zutage. Und ich  behaupte mal, dass die Möglichkeit, dunkle / mittlere und helle Bereiche im Bild unabhängig voneinander mit Feinstruktur versehen zu können der größte Vorteil von Silver Efex Pro ist. Wie aber auch das zweite Beispiel mit extremen Gegenlicht zeigt, ist mit Nik alleine kein Kaktus zu gewinnen: erst im Zusammenspiel mit einer Vorentwicklung in Lightroom auf den Rohdaten lassen sich in kurzer Zeit dynamische Ergebnisse erzielen. Die Aufgabe hier bestand außerdem darin, den Blendfleck möglichst ungesehen zu machen. Dafür würden sich natürlich Bereichspinsel oder wie sie in Nik heissen Kontrollpunkte anbieten, darauf habe ich jedoch verzichtet, um möglichst bequem zu einem Ergebnis zu kommen. Bild 1 wurde nur mit Lightroom 4, Bild 2 nur mit Nik Silver Efex Pro 2, Bild 3 mit Lightroom und Nik Silver Efex Pro 2 bearbeitet. Bild 1 wurde mit LR4 wieder in s/w konvertiert. Die Farbregler wurden dazu verwendet, den Kontrast herauszuarbeiten, insbesondere mit dem Blaukanal für den Himmel und der Rot/Orange Kanal wurde zum Mildern des Blendenfleckes eingestellt. Die Lichter wurden gesenkt, damit der Blendenkranz der Sonne möglichst gut rauskommt. Die Gradationskurve wurde leicht auf Kontrast getrimmt. Bild 2 wurde aus LR4 nur mit den Objektivkorrekturen übernommen und dann in Silver Efex bearbeitet. Versuche, hier die Tiefen wieder etwas anzuheben, schlugen wiederum fehl. Es wurde ein Preset ausgesucht, von dem aus gestartet möglichst schon das gewünschte Endergebnis nah ist: Blendenkranz der Sonne, etwas Dramatik für die Wolken. Nach zwei Minuten habe ich jedoch dann mit diesem eher spärlichen Ergebnis aufgegeben. Bild 3 wurde mit LR4 vorentwickelt, die Höhen wurden gesenkt für den Blendenkranz und die Tiefen etwas angehoben. So konnte ich in der Kürze der Zeitvorgabe von zwei Minuten doch noch etwas brauchbares mit der Nik Software herstellen. Insgesamt ist der Kontrast besser als mit der LR4 Version, dort hätte man aber über die Gradationskurve doch noch etwas rausholen können.

Fazit

Mit Lightroom 4 hat man schon ein mächtiges Werkzeug in der Hand, um sehr gezielt die Entwicklung eines monochromen Bildes zu beeinflussen. Auch in LR4 gibt es schon jede Menge Presets mit unterschiedlichen Stilen für die ad-hoc Entwicklung. Man kann sehr klare, scharf gezeichnete Bilder mit einem guten Gesamtkontrast erhalten. Insbesondere die Möglichkeit, die Zeichnung in Schatten und Lichtern wiederherzustellen, ist eine große Stärke von LR4. In Sachen Mikokontrast und Einstellreglern, um dunkle, mittlere und hellere Bereiche gezielt mit Struktur zu versehen, ist die Nik Software jedoch überlegen. Allerdings wird man nicht für jedes Bild solche Feinstrukturen herstellen wollen. Es macht Spaß, mit der Nik Software zu arbeiten. Die Voreinstellungen und auch die Emulationen von alten Schwarzweiss Filmen, die enthalten sind, haben schon etwas besonderes. Diese lassen sich jedoch auch über Gradation-, Farbempfindlichkeit und Körnung in LR4 nachbauen. Ob diese Zusatzgimmicks nochmal $99 als Einzelprodukt bzw. $149 als Bestandteil der Nik Collection Wert sind, insbesondere für den Fotoamateur, sei dahingestellt. Insgesamt fehlte mit bei der Nik Software der "Wow!"-Effekt, um sofort von der Software überzeugt zu sein. Im Zusammenspiel mit LR4 in der Vorentwicklung lassen sich wohl schon sehr gute Ergebnisse erzielen. Für mich ist eine Anschaffung zunächst mal nicht vorgesehen. Für die Feinarbeiten habe ich ja auch immer noch Gimp.

Autor: Danny Busch


3 Responses to Nik Silver Efex 2 vs. Lightroom 4

  1. Matthias Leberle sagt:

    danke für den vergleich.
    ich liebäugle seit gefühlt 2 jahren immer wieder mal mit se2, werde es aber wohl endgültig lassen, auch wenn es jetzt reduziert ist.
    was du als mankos von se2 beschreibst, hatte ich genau so befürchtet.

  2. Alexander sagt:

    Zufällig hier reingestolpert.
    Es mag sein, dass man die Filmsimulationen über Gradation-, Farbempfindlichkeit und Körnung nachbauen kann.
    Dafür muss man oder Frau aber auch wissen wie die ganzen Filme, angefangen bei Agfa über Kodak bis Ilford, beschaffen sind. Und spätestens da wird es bei den Meisten wohl haken.
    Ganz ehrlich, ich kann Silver Efex Pro2 nur ein ganz dickes Plus geben. Wenn dann die Ergebniss noch über einen anständigen(!) Drucker auf Barytpapier ausgegeben werden, dann wird das Ganze zum Genuss.

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